Dienstag 26. September 2017

Eltern bei der Kinderbetreuung umfassender unterstützen

Es macht einen Unterschied, ob Kinder versorgt sind oder auch geliebt werden. Daher müssen sie und ihre Eltern entsprechend gestärkt werden: Das war der Tenor unserer Veranstaltung.

 

Wien, 4. Dezember 2012. „Sowohl Kinder, als auch Eltern brauchen Unterstützung und starke Wurzeln, um für die Herausforderungen des Lebens gut gerüstet zu sein“, betonte Alfred Trendl, Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreichs (KFÖ), im Rahmen der Enquete „Starke Wurzeln für Dein Kind. Frühkindliche Erfahrungen als Basis eines gelingenden Lebens“. Diese Veranstaltung hatte der Familienverband gemeinsam mit der Arbeiterkammer am 30. November durchgeführt.

 

Eltern entsprechend bei der Kinderbetreuung zu unterstützen sei daher eine gesellschaftspolitische Aufgabe, so Trendl. Neben der finanziellen Unterstützung brauche es auch solche in ideeller Form. „Ganz wichtig ist bei der Kinderbetreuung, dass Eltern Wahlfreiheit vorfinden und aus einer breiten Palette an qualitativ hochwertigen Angeboten wählen können. Sie müssen aber auch die notwendige Anerkennung bekommen, wenn sie ihre Kinder selbst betreuen“, sagt KFÖ-Präsident Trendl. Er forderte einen Bildungsgutschein für Eltern. Dieser könnte beispielsweise Bestandteil des Mutter-Kind-Passes sein und dann anschließend von den Eltern optional eingelöst werden.

 

Bausteine der Persönlichkeit

Der Wiener Bildungswissenschafter Wilfried Datler beleuchtete die frühkindlichen Bindungserfahrungen in ihrer Dynamik und Folgeentwicklung für den heranwachsenden Menschen. Man müsse zwischen Fürsorge und Liebe unterscheiden, betonte der Wissenschafter. „Es macht einen Unterschied, ob das Kind Eltern oder Betreuungspersonen hat, die die Grundbedürfnisse gut befriedigen, oder das Kind das Gefühl hat, geliebt zu werden“, hob Datler hervor. Die frühen Beziehungserfahrungen hätten nicht zuletzt Einfluss auf das Auftreten von Emotionen in bestimmten Situationen, auch im Erwachsenenalter. „Durch diese Erfahrungen werden Bausteine unserer Persönlichkeit geformt, die relativ stabil in unserem Leben erhalten bleiben und auch unsere spätere Fähigkeiten als Eltern formen“, so Datler.

 

Es sei erstaunlich, dass man trotz des Wissens um die Bedeutsamkeit von frühkindlichen Bindungserfahrungen bei den Diskussionen zur Kinderbetreuung kaum die psychosozialen Faktoren berücksichtige, sondern in den ersten Lebensmonaten, wie etwa im Mutter-Kind-Pass, sich primär auf organische Faktoren konzentriere, kritisierte der Bildungswissenschafter.  Datler forderte eine Stärkung und einen Ausbau jener Institutionen, die direkt oder indirekt Einfluss auf die frühkindliche Entwicklung nehmen, allen voran die Familie. Zudem sei eine hohe Qualifizierung von jenen Personen notwendig, die in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen professionell tätig sind. Notwendig sei es, eine gelebte Lüge aufzugeben.  „Auch wenn immer wieder beteuert wird, dass die Kleinsten unsere Zukunft sind und dass alles getan wird, um diesen Bereich zu stärken, so sehe ich das nicht umgesetzt. Das wesentlich zu verbessern ist unumgänglich“, betonte Datler.

 

Familie als erster Betreuungsort

Die Erziehungsberaterin und Ärztin Martina Leibovici-Mühlberger von der Arbeitsgemeinschaft „Erziehungsberatung und Fortbildung“ thematisierte die Bedürfnisse von Kindern in der heutigen Gesellschaft. „Die Familie ist der erste Betreuungsort für Kinder. Die Familie ist die Basis jeder humanen Gesellschaft und essentiell mit dem Menschsein verknüpft. Daher ist es wichtig, dass Familienarbeit als Gesellschaftsarbeit anerkannt wird“, betonte sie. Bei den Diskussionen zum Thema Kinderbetreuung wünsche sie mehr sachorientierte, faktenbezogene Debatten. „Es braucht eine Orientierung an den Bedürfnissen des Kindes, diese müssen sichergestellt werden. Völlig unpassend und einer sachlichen Diskussionen abträglich sind Begriffe wie Gluckenmutter und Rabenmutter“, sagte die Erziehungsberaterin.

 

Jene institutionelle Kinderbetreuung, die nicht dem Stand der Wissenschaft entspreche, schädige das Potential unserer Zukunftsgesellschaft, so Leibovici-Mühlberger. Wie auch schon der Erziehungswissenschafter Datler zuvor, forderte sie einen Ausbau von qualitativ hochwertiger institutioneller Kinderbetreuung. Fehlen würde auch eine prozessorientierte Zertifizierung für Kleinstbetreuung.  „Auf politischer Ebene müssen die Bindungsbedürfnisse von Säuglingen und Kleinkindern endlich akzeptiert und dementsprechend gefördert werden“, so Leibovici-Mühlberger.

 

Effekte auf Gesundheit und Wohlstand

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion thematisierten Wilfried Datler und Martina Leibovici-Mühlberger gemeinsam mit Ursula Grohs vom Kinder-und Jugendtherapiezentrum Graz ein zentrales Resultat einer Entwicklungsstudie aus Neuseeland. Dabei wurden 1.037 Menschen, die zwischen 1972 und 1973 geboren wurden,  im Alter von 3, 5, 7, 9 und 11 Jahren psychologisch untersucht.  Demzufolge zeige die Verbesserung der Selbstkontrolle von der frühesten Kindheit an bis ins junge Erwachsenenalter einen signifikant positiven Effekt auf die Gesundheit, den Wohlstand und die öffentliche Sicherheit eines Menschen. Wer in den ersten Lebensjahren mangelnde Anerkennung und Zugehörigkeit erfahren müsse, werde in seiner Persönlichkeitsstruktur unsicher, verfüge über eine geringe Selbstkontrolle und habe deshalb schlechtere Startvoraussetzungen, die den weiteren Lebensverlauf negativ beeinflussen könnten, so die Ergebnisse der Studie.

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