Katholischer Familienverband fordert Hitzeschutzkonzept für Bildungseinrichtungen
Ferienverschiebung löst das Problem nicht
Der derzeit diskutierten Vorverlegung der Sommerferien erteilt der Familienverband eine klare Absage. „Eine Ferienverschiebung löst das Hitzeproblem nicht. Sie verschiebt es nur und reißt für Familien neue Betreuungslücken auf“, so Mender. „Jedes Jahr aufs Neue überrascht über die Hitzewelle zu diskutieren und als Lösung eine Verschiebung der Ferien zu fordern, macht kein einziges Klassenzimmer kühler.“
Kurzfristig: Hitzeampel und bessere Information
„Eine kurzfristige Maßnahme für das kommende Schuljahr könnte die Einführung einer Hitzeampel sein, bei der ab einer bestimmten Raumtemperatur auf Schularbeiten und Lernüberprüfungen verzichtet wird“, schlägt Andrea Kahl vor, Leiterin des Schularbeitskreises und selbst Lehrerin. „Leistungsdruck und Hitzewelle sind keine gute Kombination“, so Kahl.
Zudem wünscht sie sich bessere Unterstützung und Information für die Lehrenden: „Was viele nicht wissen: In Wien können Pflichtschulen einen Antrag auf Nachtlüftung stellen. Genutzt haben diese Möglichkeit seit dem Vorjahr aber nur rund 21 von etwa 440 Standorten. Dabei könnte diese einfache Maßnahme den Schulalltag an vielen Standorten entspannen und für kühlere Klassenräume sorgen“, ist sie überzeugt. Gleichzeitig brauche es bessere Information über die Handlungsmöglichkeiten im Rahmen der Schulpartnerschaft an Hitzetagen.
Einheitliche Regeln statt Flickenteppich
Unverständlich ist für den Familienverband die Ungleichbehandlung der Schulen: Während Bundesschulen eigenständig Ventilatoren anschaffen und kleine Investitionen in den Hitzeschutz tätigen können, sind Ventilatoren und mobile Klimageräte an Wiener Pflichtschulen derzeit nicht genehmigungsfähig. „Ob ein Kind in einem erträglich temperierten Klassenzimmer sitzt, darf nicht vom Schultyp oder vom Bundesland abhängen. Genau deshalb braucht es ein gemeinsames Konzept von Bund und Ländern mit klaren, einheitlichen Regeln“, so Mender.
Mittelfristig: gezielte Mittel für besonders betroffene Standorte
Als mittelfristige Maßnahme schlägt der Familienverband gezielte Investitionen für besonders hitzebetroffene Standorte vor. „Es müssen rasch Mittel zur Verfügung gestellt werden, damit die am stärksten betroffenen Schulen und Kindergärten durch Beschattungsmaßnahmen oder Klimatisierung klimafit gemacht werden können“, so Mender. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen anschließend evaluiert und erfolgreiche Lösungen auf weitere Standorte übertragen werden.
Langfristig: Hitzeschutz bei Neubauten verpflichtend verankern
Ebenfalls notwendig seien verpflichtende Beschattungsmöglichkeiten, Begrünungen und ein klarer Fokus auf Hitzeschutz bei Neubauten: „Es darf nicht sein, dass der architektonische Anspruch bei neuen Schulgebäuden vorgeht und im Jahr 2026 noch Glaspaläste gebaut werden, die für die Schüler/innen und ihre Lehrpersonen bei Sonnenschein zur Sauna werden“, so der Präsident des Katholischen Familienverbandes.
Ausdrücklich betont der Familienverband, dass ein Hitzeschutzkonzept auch die elementaren Bildungseinrichtungen umfassen muss. Gerade Kindergartenkinder können sich bei Hitze am wenigsten selbst helfen und verbringen oft den ganzen Tag in der Einrichtung.
Abschließend appelliert Mender an die Bundesregierung, die Bundesländer und die Schulpartner/innen: „Es braucht einen gemeinsamen Kraftakt, um unseren Kindern eine gesunde Lernumgebung zu bieten. Das ist eine Zukunftsinvestition, die sich auf jeden Fall lohnt.“

