Katholischer Familienverband zum Muttertag: Sparpaket belastet vor allem Mütter und Teilzeitbeschäftigte
Berufe im Handel, im Dienstleistungssektor oder in der Pflege sind schlechter bezahlt als Tätigkeiten im technischen Bereich oder in der Produktion — traditionell männerdominierte Branchen.
Vor diesem Hintergrund übt Britta Brehm-Cernelic, Vizepräsidentin des Katholischen Familienverbandes, Kritik am geplanten Sparpaket der Bundesregierung: „Künftig sollen Bruttogehälter bis 2.225 Euro/ Monat einen Beitrag von bis zu 918 Euro pro Jahr zur Arbeitslosenversicherung entrichten. Das wird vor allem Frauen und noch stärker teilzeitarbeitende Mütter betreffen“, befürchtet Brehm-Cernelic.
Rund 350 Millionen Euro sollen so zusätzlich an den Staat fließen. „Das sind keine breiten Schultern, die diese Maßnahme tragen, sondern Mütter, die ohnehin schon mehrfach belastet sind“, so Brehm-Cernelic.
Sie kritisiert vor allem den eingeschränkten Blick auf Familien und Mütter: „Teilzeit zu arbeiten, weil Betreuungspflichten bestehen, ist kein Wellnessprogramm, sondern besonders für Mehrkindfamilien notwendig, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen“, weiß die vierfache Mutter aus eigener Erfahrung.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die Verschärfungen beim Familienbonus: „Ich verstehe den Ansatz, dass beide Elternteile erwerbstätig sein sollten. Allerdings frage ich mich ernsthaft, wie das bei Mehrkindfamilien oder auch bei Kindern mit Behinderungen in dem von der Regierung gewünschten Umfang möglich sein soll“, sagt Brehm-Cernelic. Der Katholische Familienverband fordert daher Ausnahmen für Familien ab drei Kindern sowie für Eltern von Kindern mit erhöhter Familienbeihilfe.
Sie berichtet: „Aus eigener Erfahrung und aus den Rückmeldungen vieler unserer 30.000 Mitgliedsfamilien kann ich sagen, dass es für berufstätige Mütter von drei oder mehr Kindern faktisch unmöglich ist, Vollzeit zu arbeiten — außer, es gibt helfende Hände in Form von engagierten Großeltern oder Babysittern“, ist sie überzeugt.
Brehm-Cernelic führt weiter aus: „Wer das nicht wahrhaben will, soll sich einmal einen Haushalt vorstellen, in dem fünf, sieben oder neun Menschen leben, essen wollen, für die Schule lernen, ihre Sorgen und Ängste besprechen möchten, saubere Kleidung brauchen, Arzttermine wahrnehmen müssen und vor allem ein liebevolles, zugewandtes Miteinander benötigen. Und zwar nicht nur zu Weihnachten und zu Ostern, sondern täglich — 365 mal im Jahr“, so Brehm-Cernelic.
„Die eigentliche Brutalität des Doppelbudgets liegt für mich darin, dass teilzeitarbeitende Frauen, die so viel unbezahlte und oft unbemerkte Arbeit für die Gesellschaft leisten, empfindlich zur Kasse gebeten werden“, befürchtet sie. Sie sieht gravierende Nachteile vor allem für Mütter und möchte den Muttertag nutzen, um darauf aufmerksam zu machen.
„Mütter leisten enorm viel — für ihre Kinder, für ihre Familien und für die gesamte Gesellschaft. Sie mit einem Sparpaket über Gebühr zu belasten, ist einfach schäbig.“

