Plan Z(ukunft): Reform mit vielen Fragezeichen
Für die Bildungsexpertin bleiben dabei allerdings viele Fragen offen.
„Wichtig aus unserer Sicht ist es, eine solche Schulentwicklung nicht als Schnellschuss durchzupeitschen, sondern überlegte Konzepte mit Expert/innen zu erarbeiten und diesen auch Raum und Zeit zur Umsetzung, Evaluierung und Verbesserung zu geben“, ist ihre Forderung und betont, dass solche neuen Entwicklungen Zeit brauchen – die Bildungswissenschaft nennt hier oft sieben Jahre als vernünftigen Zeithorizont. „Hier darf nicht in Legislaturperioden gedacht werden, sondern in Schülergenerationen“, fordert sie einen klaren Schulterschluss aller am Schulgeschehen eingebunden Akteure: „Es darf nicht in einzelnen Interessensgruppen wie Eltern, Lehrende, Wähler/innen und Politik gedacht werden, sondern das Kind und seine Entwicklung müssen im Zentrum stehen,“ so ihr Wunsch.
Besonders begrüßt sie das klare Bekenntnis des Bildungsministers zur Schulpartnerschaft und zur Wahlfreiheit: „Hier soll es ganz klar um die Entwicklung von Bildung und Schule und nicht um Vereinbarkeit oder wirtschaftliche Interessen gehen“ ist sie positiv gestimmt.
Vor allem aber wünscht sich die Familienorganisation einen breiteren Fokus, in dem auch die Elementarbildung mitgedacht wird, etwa wenn es um die Sprachstandfeststellungen geht. Auch die angedachte mittlere Reife wird vom Familienverband positiv bewertet. „Klare Standards, was Jugendliche am Ende ihrer Pflichtschullaufbahn können sollen ist auf jeden Fall eine gute Idee“, so Kahl, die auch eine Übergangsdiagnostik empfiehlt.
„Am wichtigsten ist vor allem den Druck zwischen dem Übergang von Volksschule auf AHS oder Mittelschule zu entschärfen, das tut weder Kinder noch Lehrer/innen, noch den Eltern gut“, ist sie überzeugt und stellt klar: „Eine sechsjährige Volksschule muss echte Reformen bringen und den spätere Entscheidungen mehr Zeit und Raum geben.“ Keinesfalls darf einfach nur der Zeitpunkt der Entscheidung verschoben werden.
„Im Zuge einer solchen Reform könnte auch ein wesentlicher Widerspruch im Bildungswesen aufgelöst werden, nämlich dass wir neun Jahre Schulpflicht mit nur acht Jahre Pflichtschule bedenken“, stellt Kahl fest und zeigt sich gespannt auf die weiteren Pläne: „Ich finde, die Vorschläge sollten nicht reflexhaft abgelehnt werden, sondern als günstiges Zeitfenster gesehen werden, in dem man Schule wirklich neu denken kann. „Der Ansatz, dass in jedem Kind Talente schlummern ist großartig und gehört auf jeden Fall weiter unterstützt – nämlich durch Schulen, wo Wert auf Bildung, Miteinander und Freude am Lernen gelegt wird.“

